Donnerstag, August 24, 2017

Bandscheibenprobleme

Was sind die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls?

BandscheibenproblemeKein Wunder, dass ein Bandscheibenvorfall so häufig ist: Die 23 Bandscheiben, die wir besitzen, dienen als Puffer und Federung zwischen den Wirbelkörpern. Sie machen die enorme Beweglichkeit der Wirbelsäule erst möglich. Sie halten unglaublich viel aus: Scherkräfte und Hebelwirkungen vergrößern die Lasten, die bei bestimmten Bewegungen auftreten. So tragen die Bandscheiben ein Vielfaches unseres Körpergewichtes.

Wie ist die Bandscheibe aufgebaut?

In der Mitte der Bandscheibe befindet sich ein gallertartiger, weicher Kern: der Nucleus pulposus. Damit er an der richtigen Stelle bleibt, ist er von einem harten Faserring umgeben, dem Anulus fibrosus. So kann die Bandscheibe als Stoßdämpfer wirken und zugleich flexibel bleiben.

Wie kommt es zu einem Bandscheibenvorfall?

BandscheibenproblemeIm Mutterleib wird die Bandscheibe noch über eigene Blutgefässe versorgt. Nach der Geburt erhält sie Nährstoffen und Flüssigkeit nur noch passiv, über die sogenannten Diffusion. Dabei saugt sie gewissermaßen, vor allem nachts im Liegen, Wasser und Nährstoffe wie ein Schwamm aus der umgebenden Gewebeflüssigkeit auf. Tagsüber wird ein Teil der Flüssigkeit aufgrund des Körpergewichtes im Stehen und Sitzen wieder aus der Bandscheibe herausgedrückt. Deshalb verlieren wir untertags ein wenig an Körpergröße und gewinnen sie in der Nacht wieder zurück. Der Größenunterschied zwischen morgens und abends kann mehrere Zentimeter ausmachen.

Diese Fähigkeit der Bandscheibe zur Erholung (Regeneration) nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Im Laufe der Zeit schrumpft sie dauerhaft. Anfangs noch unmerklich, können wir diesen Prozess im höheren Alter an einer geringeren Körpergröße ablesen. Von allen Geweben des menschlichen Körpers zeigt die Bandscheibe die weitreichendsten degenerativen Veränderungen. Sie verliert an Elastizität und Stabilität.

Der Verlust an Elastizität betrifft auch den harten Faserring, der das Bandscheibeninnere umgibt. Hier bilden sich Risse und Spalten, in welche die weiche Masse aus dem Bandscheibeninneren vordringen kann. Zugleich steigt die Druckbelastung für den Faserring aufgrund der Höhenabnahme der Bandscheibe. Es kann jetzt zur Vorwölbung des Gallertkerns und des Faserrings kommen - ähnlich wie bei einem Gummiball, der zwischen den Handflächen plattgedrückt wird. Ab diesem Stadium ist bereits eine Vorwölbung der Bandscheibe (Protrusion) eingetreten. Durchbricht der Gallertkern den äußeren Faserring, liegt ein Bandscheibenvorfall (Discusprolaps oder Nucleus-pulposus-Prolaps) vor.

Was hat die Bandscheibe mit Rücken- und Beinschmerzen zu tun?

BandscheibenproblemeDie Bandscheibe liegt sehr nah bei den großen Nervensträngen der Wirbelsäule. Wenn sich die Bandscheibe vorwölbt oder beim Bandscheibenvorfall sogar ein Teil ihres Kerns austritt, kann das austretende Material auf die umgebenden Nerven treffen. Dabei kann es passieren, dass Nervenwurzeln eingequetscht werden. Die Nervenwurzeln sind ähnlich wie Teile einer elektrischen Leitung, die das Gehirn mit den Körperteilen verbindet. Sie versorgen zum Beispiel im Bereich der Lendenwirbelsäule die Beinmuskeln mit Befehlen zur Bewegung. Sie sind auch für die Übermittlung der Schmerzsignale zuständig. Wenn etwas auf diese Nerven drückt kommt es so typischerweise zu Schmerzen in den Gliedmaßen, zu denen sie führen. Zusätzlich können Gefühlsstörungen mit Taubheit, Kribbeln oder sogar Lähmungen auftreten.

Beim Bandscheibenvorfall durchbricht das Bandscheibeninnere den harten Faserring und kann sehr stark auf das umgebende Gewebe und die Nervenwurzeln drücken. Dieser Druck löst wiederum Beinschmerzen oder Rückenschmerzen aus. Bei der Vorwölbung wird weniger Bandscheibenmasse verlagert als beim Vorfall. Deshalb sind beim Bandscheibenvorfall Gefühlsstörungen oder Lähmungen wesentlich häufiger.

Manchmal erfolgt der Bandscheibenvorfall im Wirbelsäulenkanal nicht seitlich, sondern kopfwärts oder fußwärts verlagert. Man spricht in diesem Fall von einem 'Sequester'. Er kann sogar Nerverwurzelreizungen verursachen, die weiter entfernt von dem eigentlich betroffenen Bandscheibensegment liegen.

Es gibt aber auch viele Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben und dabei keinerlei Schmerzen empfinden. Offensichtlich treten Schmerzen nur auf, wenn die Nervenwurzel bereits vorher eine Empfindlichkeit (Sensibilisierung) für den Bandscheibenvorfall entwickelt hat. Bei feingeweblichen Untersuchungen wurde die Ausbildung von Schmerzrezeptoren im Bereich der Nervenwurzel und der Bandscheiben beobachtet.

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